Erasmus Schmidt

Historisches Forscherportrait

(red) Erasmus Schmidt (Abb. 1) (auch: Schmid, Schmied; * 17. April 1570 in Delitzsch; † 4. Sept. 1637 in Wittenberg) war ein deutscher Philologe und Mathematiker.

Biographische Notizen

Abb. 1 Erasmus Schmidt (1570-1637)

Aus bürgerlichen Verhältnissen stammend, genoss der junge Erasmus eine gute Schulbildung, die er u.a. am kurfürstlichen Landesgymnasium in Schulpforta erhielt. Mit einem Stipenium des Kurfürsten studierte er ab 1590 Philosophie an der Universität Wittenberg, wo er 1593 zum Magister promovierte. Nachdem er eine Weile private Vorlesungen über griechische Sprache und Mathematik gegeben hatte, zog es ihn zunächt nach Ungarn, wo er erfolglos eine Anstellung als Pädagoge suchte. Nach Wittenberg zurückgekehrt, wurde er schließlich am 1. Mai 1597 als Adjunkt in die philosophische Fakultät der Universität aufgenommen. Im Oktober desselben Jahres wurde er dort Professor für griechische Sprache. Am 3. Oktober 1598 heiratete er Anna Becker, verwitwete Reichhart, die Tochter eines Hamburger Handelsmanns. Aus dieser Ehe gingen drei Söhne (von denen zwei schon früh verstarben) und zwei Töchter hervor.

Erasmus Schmidt, der neben seiner Lehrtätigkeit verschiedene Bücher verfasste, übernahm ab Oktober 1601 auch die Inspektion der kurfürstlichen Stipendiaten, führte 1604 die Visitationen der drei kurfürstlichen Landesschulen in Schulpforta, Meißen und Grimma durch und wurde 1614 auch Professor für niedere Mathematik. Er nahm an insgesamt fünf Landtagen teil (1601, 1605, 1622, 1634 und 1635) und war zweimal Rektor der Wittenberger Akademie, sowie sieben Mal Dekan der philosophischen Fakultät. Das Angebot, Bürgermeister von Wittenberg zu werden, lehnte er jedoch wegen Überlastung ab. Als einige Jahre nach Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges in Wittenberg ein Fieber grassierte, infizierte sich auch Schmidt und verstarb. Dies wurde an seiner Alma Mater als ein großer Verlust für die Wissenschaft im Allgemeinen und insbesondere für die Gräzistik beklagt. [1]

Erasmus Schmidt und Platons Atlantis

Abb. 2 Nach Erasmus Schmidt handelte es sich bei Platons (Bild) Atlantis um Amerika.

Am 23. März 1602 hielt Schmidt einen Vortrag in lateinischer Sprache zum Thema "Amerika und Atlantis". Dazu heißt es bei Thorwald C. Franke: "Der Vortrag wurde als Anhang zu dem Werk 'Pindari operacum comment. & versione' von Erasmus Schmidt 1616 veröffentlicht und 1893 von dem Friederger Reallehrer Theodor Wiesehahn ins Deutsche übersetzt. [2]

Erasmus Schmidt vertritt folgende Thesen: Viele antike Autoren geben zu erkennen, dass sie von Amerika wissen. Dieses Amerika ist nichts anderes als die Insel Atlantis. Die Ursache dafür, dass Amerika wieder in Vergessenheit geriet, sei in der Geschichte über die Karthagerinsel bewahrt worden, derzufolge die Karthager die Besiedlung des neu entdeckten Landes nicht duldeten. [3]

Von Aristoteles glaubte Erasmus Schmidt, dass er sich für die Existenz von Atlantis aussprach, da er das pseudo-aristotelische Werk De mirabilibus auscultationibus, in dem die Geschiche von der Karthagerinsel enthalten ist, für authentisch aristotelisch hält." [4]





Anmerkungen und Quellen

Fußnoten:

  1. Qulle: Wikipedia - Die freie Enzyklopädie, unter: "Erasmus Schmidt (Philologe)" (abgerufen: 24. März 2017)
  2. Siehe: Theodor Wiesehahn, "Ein Vortrag über Amerika aus dem Jahre 1602 [von Erasmus Schmidt]", in: Neue Jahrbücher für Philologie und Pädagogik Band 148 / 1893, Zweite Abteilung, Leipzig (Verlag Teubner), 1893, S. 152-160
  3. Anmerkung von Thorwald C. Franke: Vgl. dazu auch Hans Herter, "Platons Atlantis", in: Bonner Jahrbücher Nr. 133 / 1928, S 30, Fußnote 4
  4. Quelle: Thorwald C. Franke, "Kritische Geschichte der Meinungen und Hypothesen zu Platons Atlantis - Von der Antike über das Mittelalter bis zur Moderne", Norderstedt (BoD), 2016, S. 275

Bild-Quellen:

1) I. I. Haid (Urheber) / Torsten Schleese (Uploader) bei Wikimedia Commons, unter: File:Erasmus Schmidt.jpg
2) Wellcome Images - Wellcome blog post (archive, Bild) (Urheber) / (Uploader) bei: Wikimedia Commons, unter: File:Plato. Etching by D. Cunego, 1783, after R. Mengs after Raph Wellcome V0004702.jpg; Lizenz: Creative-CommonsNamensnennung 4.0 international“. (Bild-Bearbeitung durch Atlantsforschung.de)